So spielen Sie richtig mit Babys von 9 - 12 Monaten

Immer wieder werde ich gebeten, mein Wissen, als Hebamme und Pekip-Gruppenleiterin zu teilen. WIE SPIELE ICH RICHTIG mit meinem Baby. Ja, in den verschiedenen Altersstufen gibt es durchaus vieles zu beachten, damit es für Mama / Papa und Kind zu einem tollen, nicht überfordernden Spielerlebnis wird.

SPIELEN MIT BABYS 9 - 12 MONATE 

Liebe Eltern, heute möchten wir auf die Entwicklung des Babys von 9 bis 12 Monaten eingehen. Welche Bewegungs-Spiele- und welche Spielsachen sind nun wichtig?

Schaut genauer hin wie viel Euer Baby schon macht oder kann? Jedes Baby ist ja von der Entwicklung unterschiedlich, bitte nicht zu viel mit anderen Babys vergleichen. Jedes Kind entwickelt auf seine Weise.

Beginnt es sich schon in der Bauchlage die Beinchen unter den Bauch zu ziehen? Unterstützt es indem Ihr Eure Hand gegen die Füßchen stemmt und schon geht es vielleicht in den Vierfüßlerstand.

Stützt es sich schon mit einer Hand ab und schiebt seinen Popo zur Seite? Das ist der Beginn des Römersitz von dem aus es zum Sitzen kommt, also ganz wichtig über die Seite nie über die ausgestreckten Beine.


Eine Firma von Windeln hat mal ein Video in der Werbung gezeigt, in dem alle Babys das sogenannte Hinsetzen und Krabbeln falsch gemacht haben.

Wie könnt Ihr das Krabbeln unterstützen?

Wenn das Baby nun im Vierfüßlerstand ist, dann legt ein Spielzeug ca. 20 cm weit weg und nehmt z.B.: die linke Hand des Kindes, hebt es leicht hoch und bewegt es ein wenig nach vorne bis es wieder sich hält. Nun schiebt das rechte Knie nach vorne, dann die rechte Hand und das linke Knie. Diese Bewegung wird im Gehirn programmiert und wiederholen so oft es dem Baby Spaß macht. Bitte oft wiederholen.


Schiefe Unterlage:
Mit einem normalen Holzteil ca. 1 Meter mal 60 Zentimeter könnt Ihr eine sogenannte schiefe Ebene bauen. Auch ein Bügelbrett, das man zusammen geklappt lässt, ginge auch. Eins von diesen Teilen an einem Couchtisch mit einer Seite anlehnen und das andere Ende vielleicht auf einem Teppich oder Matte enden lassen. Schon habt Ihr eine schiefe Ebene zum üben.


Ihr könnt das auch mit einem oder zwei Kissen oder Decke versuchen.
Es geht für die Kinder einfacher, da die Schwerkraft ein wenig Gewicht von den Armen nimmt und der Erfolg schneller kommt. Auch die Beine der Eltern können das Halten in dem Vierfüßlerstand unterstützen indem Ihr das Baby darüber legt in der Bauchlage.

Wenn Eltern das Krabbeln vormachen, ist das sinnvoll? Eher nicht. Besser wäre, dass es ein anderes Baby vormacht, was es schon kann.

Was ist, wenn das Baby von der Unterlage droht herunter zu fallen, wie reagiert Ihr?
Schaut, erst einmal, dass die Übungen auf einer weichen Unterlage oder Matte geübt werden, da kann doch nichts „passieren“. Bitte ganz ruhig bleiben und schauen, ob es das Umfallen oder Herunterfallen vielleicht nicht doch alleine bewältigen kann, ohne dass Ihr gleich mit Euren Händen das Baby haltet, sondern bitte nur abfangen und dabei loben und nicht wieder mit „Hu“ reagieren.


Entspannungsübungen

Jetzt kommen wir zu einem aus meiner Erfahrung wichtigen Thema:

Ihr wisst das ich pro Woche drei Pekip-Kurse unterrichte. Ich sage bewusst unterrichte, da ich von Mamis die beim ersten Kind in einem anderen Pekip-Kurs besucht haben, sagen: „bei uns wurde nie so viel erklärt, es waren eher nur Treffen und Austausch.“

Gegen Ende meiner Kurse lege ich viel Wert auf Entspannungsübungen. Sofort werden alle Babys ruhig und es ist so eine tolle Stimmung.

Die Mamis oder Papis legen sich und das Baby Kopf neben Köpfchen auf den Rücken und schauen sich ein Büchlein an, ich betone extra ein Büchlein, was nur Bebildert ist. Nun müssen die Mamis oder Papis Geschichten erfinden oder nur die Bilder erklären. Ich biete in meinen Kursen mein Herzilein-Buch an, da es kräftige Farben hat.

Minutenlang hören die Kinder zu und bleiben total ruhig liegen.

Wenn ich Lehrerinnen in meinen Kursen habe, erkläre ich ihnen, dass es Sinnvoll wäre sogar in einer Klasse alle Schüler auf Matten zu legen und Texte oder Vokabeln zu lernen. Die Kinder sind konzentriert und schauen, nicht wie im Sitzen ständig umher. Auch zu Hause Lehren in der Rückenlage wäre toll! Vielleicht habt Ihr Lehrer/innen in Eurem Umfeld, denen Ihr diese Anregung mal mitteilen könnt!


Auch die folgende Übung ist fast genauso schön:

Ein Elternteil setzt sich so hin, dass beide Beine aufgestellt sind und stützen sich mit den Ellebögen auf die eigenen Kniee ab und halten nun ein rotes oder blaues Band über das Baby. Das liegt in der Rückenlage zwischen Euren Beinen. Ihr haltet nur ganz ruhig das Band so, dass es vom Baby berührt wird, aber nicht zu sich hinziehen kann.

Probiert es aus, weil Ihr Euch jetzt nicht vorstellen könnt, dass es dem Baby Spaß macht.

Ich habe schon sehr aktive Kinder mit 9 Monaten in den Kursen gehabt, die auch beim Wickeln nicht mehr liegen bleiben. Die Eltern sagten mir, dass es nun wieder klappt, weil sie das immer wieder geübt haben. Die Gefahr ist, wenn Euer Baby schon sehr aktiv ist und sich nicht mehr entspannen will oder kann, dass wir die Hyperaktivität zulassen.

Genauso wichtig sind unsere Massagen, wenn es geht den ganzen Körper am besten mit Beruhigungsmusik im Hintergrund.

Es gibt auch so schöne Streichellieder:

z.B.: Wo ist dein Bauch, fassen wir ihn an, wollen doch mal sehen, ob ich den streicheln kann. Und weiter mit allen Körperteilen.

Die Melodie ist vom spannelanger Hansel, nudeldicke Dirn.


Hochziehen an Gegenständen

Wenn Euer Baby nun über die Seit in den Vierfüßlerstand kommt, wird es versuchen sich an niedrigen Gegenständen hochziehen wollen. Schaut, ob die Händchen offen sind.
Hier solltet Ihr bitte darauf achten, ob es sich mit beiden Händen gleich gut hochzieht und auch mit beiden Füßen abwechselnd vom Boden abstößt. Dies ist wieder wichtig wegen ausgeglichen Bewegungen und der Verknüpfung der Gehirnhälften.

Schade wäre, wenn das Baby sich mit beiden Beinen hochzieht!

Wenn es das aber nur macht, dann könnt Ihr mal ein Füßchen aufstellen und dann ganz leicht unter den Achseln mit Euren Händen den Oberkörper leicht nach oben ziehen und schauen, ob es nun erst ein Beinchen und dann das andere mit nach oben zieht. Das ist wichtig für das spätere Umfallen, damit es nicht immer auf den Po plumpst, sondern sich abfangen lernt!

Denkt noch einmal an den Römersitz! So wie es abwechselnd sich hochzieht, soll es auch abwechseln wieder herunterkommen. Diese Babys fallen weniger auf das Köpfchen!

Stehen üben

Wichtige Info: Bitte erst das Baby hinstellen, wenn es selbst zum Stehen kommt.
Die Muskulatur sollte dafür ausreichend gebildet sein.

Ich weiß, dass es einige Plattformen gibt, die schreiben: Euer Baby ist nun 6 Monate alt und Ihr könnt es schon hinsetzen oder wenn es älter ist Hinstellen. NEIN!

In den Kursen schaue ich natürlich immer wieder, ob die Beinchen und Ärmchen der Kinder im Liegen gleich lang sind und ob vielleicht Wirbelköper am Rücken nach Außen gewölbt sind. Dann schicke ich die Eltern wieder einmal zum Ostheopathen.

Zehenstand

Die erste Zeit steht Euer Baby nicht auf dem ganzen Fuß, sondern auf den Zehen, also ganz normal! Die Achillesverse ist noch nicht richtig ausgeprägt.

 

Seitliches Laufen

Am Sofa oder am Wohnzimmertisch wäre es sinnvoll Spielsachen seitlich entfernt zu platzieren, damit Euer Baby die Füßchen zur Seite bewegen muss, um es zu erreichen. Das seitliche Laufen ist viel zu trainieren und erst wenn das super geht, dann das gerade Laufen üben.


Freies Laufen

Bitte nehmt Euer Baby nicht so, dass Ihr dem Baby die Möglichkeit gebt sich mit den Fingern an Euch fest zu halten, sondern haltet es nur am Handgelenk, dadurch muss das Gleichgewicht viel mehr eingesetzt werden. Durch das Festhalten mit den Händen ist die ganze Muskulatur des Armes angespannt und dadurch wird das Baby stabiler, was wir ja nicht wollen!!!!!!! Gut wäre, wenn Ihr zwei Stühle wenig auseinanderstellt und Euer Kind versucht von einem Stuhl zum anderen im Stehen hinüber zu gelangen. Auch hier nur aufpassen, falls es umfallen sollte, also nur auffangen und nicht Euer Kind schon zu viel oder eher gar nicht festhaltet.


Welche Spielsachen sind sinnvoll für dieses Alter?

Ich hatte schon erwähnt, dass ein Zimmer, wo gespielt wird eher wenig optische Ablenkungen haben sollte, damit sich das Kind auf die Spielsachen besser konzentrieren kann. Auch in diesem Alter wären wenig Spielsachen gut um eine Überforderung zu vermeiden.
Die Babys, die schon krabbeln, suchen sich genügend Dinge selbst zum Spielen. Haushaltsgegenstände sind doch so toll! Eine Schublade in der Küche, wo nur Töpfe und Schüsseln sind reicht zum Erkunden.

Sind alle Schränke angeschraubt?

Stundenlang ist Ausräumen und Einräumen ein tolles Spiel. Ein Kuscheltier beruhigt. Ein Steckspiel, Krabbeltunnel, ein kleiner Kochlöffel mit dem auf Gegenstände bewusst gehämmert wird, das fördert doch auch die Feinmotorik. Kreißel, kleine Autos zum schieben und nun wird es schon wieder zu viel.


Sicherheit der Wohnung und Spielsachen noch einmal überprüfen

Das hatten wir schon in einem anderen Ratgeberbeitrag erzählt: Wenn Euer Kind schon durch die Wohnung robbt, dann krabbelt oder läuft sind viele Dinge zu beachten.
Krabbelt selbst durch Eure Wohnung und schaut nach Kabeln, die nicht in einer Kabelhülle versteckt sind. Die Babys haben scharfe Zähne und können die durchbeißen. Kantenschutz, Türstopper, Steckdosensicherungen usw. Runterfallen ist natürlich am Anfang das Häufigste.

Wir Spielzeughersteller haben genaue Anweisungen wie lange Bänder sein dürfen, damit Kinder sich nicht strangulieren können. Also bei selbst gebastelten Spielsachen aufpassen.

Und zu Übersicht der genau passenden Spielzeuge für Babys ab 9 Monaten geht es hier >

 

Und wer sich noch mehr Info zur Spielphase Babys von 9 bis 12 Monaten wünscht

Hier geht's zum neuen Hebammen-Podcast Folge 20 >

babys-0-3-monate-podcast3

Es wünscht Ihnen ganz viel Spaß

Ihre Heike Schwarz.

 

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